Sonntag, 30. November 2008

Wer, außer China, braucht "Chinese Democracy"?


Nun hat es Axl Rose doch noch geschafft, das sagenumwobene Nachfolge-Album von "Use your Illusion I+II" zu vollenden: "Chinese Democracy".

Der Preis dieser 15 Jahre quälenden Selbstüberwindung: von den glorreichen Guns 'n' Roses hat nur noch der Name überlebt und von Axl 's genialem Wahnsinn, wenn man ersten Hörproben und Kritiken glauben darf (darf man!), nur noch der Wahnsinn.

Was bleibt sonst noch? Ein Musik-Album, so überflüssig wie "In a Metal Mood: No More Mr. Nice Guy" von Pat Boone.

War es das wert Axl? Nein. War es vermeidbar? Wahrscheinlich nicht. Schade.

Wer harte Musik will, auf die langes Warten wirklich gelohnt hat, soll "Black Ice" von AC/DC hören. Uneitle, zuverlässige Wertarbeit, ohne Überraschungen, aber eben auch ohne Enttäuschung.



Donnerstag, 27. November 2008

Auf dem Weg in die Weltdepression

http://www.bluffton.edu/womenartists/ch6(19c)/morganmammon.jpg

Hier wie anderwo wird eines klar. Die Reichweite der wirtschaftlichen Katastrophe sprengt den Begriff einer zeitlich begrenzten Krise.

Wir stehen am Anfang einer Zeitenwende, in deren Verlauf sich die kulturellen Werte kommender Generationen unter ökonomischen Druck auf allen Ebenen wandeln werden. Begriffe wie "Finsteres Mittelalter" oder Eiszeit sind keine spiegelbildlichen Entsprechungen. Sie geben aber einen angemessenen Maßstab für die Tiefe der kommenden Umwälzungen, wie für deren nachhaltige Langsamkeit.

Die Märkte von heute werden weder kollabieren, noch explodieren. Sie werden dahin siechen in eine neue Epoche. Was für uns noch wie eine Störung im System scheint, wird für unsere Enkel das System sein.


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Montag, 24. November 2008

The Wrestler - Erlebt die Wiederauferstehung von Mickey Rourke!





Mickey Rourke, endlich wieder so wie er immer schon sein konnte, aber viel zu lange nicht mehr war. Jahrzehnte stand sich dieses Ausnahmetalent auf dem Weg nach ganz oben selbst im Weg. Drogen, Alkohol, Eitelkeit, miese Drehbücher. Schon bei Sin City konnte man die Kehrtwende ahnen. Mit "The Wrestler" ist es amtlich. Mickey Rourke ist wieder im Vollbesitz seiner künstlerischen Kraft und alles ist wieder möglich.

Dran bleiben Mickey! Es ist nicht zu spät!

*Danke für den Tipp an Eva Maria Stuckel!

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Sonntag, 23. November 2008

Monty Python goes Youtube! Mehr clever geht nicht!





Monty Python auf Youtube. Alles. und alles in HD-Qualität. Hochgeladen von... Monty Python?! Sind die ollen Briten jetzt völlig debil geworden?? Über 20 Jahre wertvolles Urheberrecht vor die Säue geworfen??

Mit nichten. Cleese, Palin, Idle, Jones und Gilliam beweisen einmal mehr, dass sie in Sachen Selbstvermarktung immer noch voll auf der Höhe der Zeit und richtungsweisend sind. Warum?

Sie kennen ihre Zielgruppe, wissen was sie will und wo sie sie erreichen. politisch liberale Geeks beiderlei Geschlechts und jeder Ethnik zwischen 30 und 60, gebildet, kaufkräftig und... am Computer.

Hier erhalten wir unsere Kaufimpulse, hier treffen wir unsere Kaufentscheidung. Und nein, Das kostenlose Angebot der Filme in HD gefährdet keinen Cent der derzeitigen DVD- und zukünftigen BlueRay-Verkäufe. Ganz im Gegenteil. Hier zeigt sich auch die Genauigkeit in der Analyse der technologischen Marktsituation.

Man hat begriffen, dass das wirksamste Mittel gegen digitale Raubkopien nicht Verbot und Strafverfolgung ist, sondern Qualität und Bequemlichkeit. Kein Garagen-Youtuber hat die Mittel, den Python-Kanon qualitativ und quantitativ so anzubieten wie Monty Python. Die Kundschaft folgt dem größeren und besseren Angebot, als Ergebnis bekommt man das Bild der eigenen Marke voll in den Griff.

Man verknüpft den Massenzugang der Werbeplattform Youtube geschickt mit dem Mehrwert fester digitaler Datenträger. Noch ersetzt selbst der größte Computerbildschirm, HD hin oder her, nicht das Wohnzimmererlebnis HD, mit Großbildschirm, Sofa, Fernbedienung und kontextuell verknüpftem Bonusmaterial auf Knopfdruck. Das vernetzte MediaCenter mag irgendwann in jedem Wohnzimmer angekommen sein. Wo es auf dem Weg dahin jetzt steht, sieht man daran, dass Steve Jobs sein AppleTV immer noch als "just a hobby" abtut.

Überhaupt, warum nicht iTunes, sondernYoutube? Auch hier setzen Monty Python nur konsequent um, was selbst Apple begriffen hat. Quicktime ist eine sterbende Nische. J E D E R hat Adobe Flash. Selbst AppleTV bietet Youtube an. Aber warum sollte Monty Python den Umweg über diese Einbahnstraße nehmen?

Vom Anfang bis zum Ende, ein konsequent logisch durchdachtes Konzept. Congratulations, Sirs!


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Montag, 17. November 2008

Heinz Rudolf Kunze kommt 2009 nicht nach Mainz?! Protest!




Immer wenn der beste deutsche Rock-Poet zu Feder und Gitarre greift, packt den wütenden Romantiker in mir wieder die Gier. Drei mal habe ich HRK jetzt schon live in Mainz erlebt.
Nachdem das letzte Album "Klare Verhältnisse" für meine Verhältnisse im Ganzen zu getragen klang, macht "Längere Tage" die erste Single aus seinem neuen Album "Protest" wieder Hoffnung auf mehr (An)Trieb.

Aber was muss ich sehen? Noch? Kein Tour-Datum 2009 für Mainz?
Heinz! Ich bitte Euch! Auf Knien!


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Sonntag, 16. November 2008

ehemaliger Stasi-Agent Lutz Heilmann sabotiert den Rechtsstaat mit dessen eigenen Mitteln



Hier zeigt sich mal wieder die methodische Nähe der Linken zur Rechten. Zum Glück greifen die Methoden nicht mehr. Oder noch nicht wieder.


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Samstag, 15. November 2008

Cem Özdemir - Das grüne deutsche Obamale?



Jung. Ethisch wertkonservativ. Politisch liberal im angelsächsischen Sinn. Pragmatisch. Ideologiearm. Alles drin. Alles dran.

Also? Change we can believe in? No, sorry, we cannot.

Denn Herr Özdemir ist genauso inspirierend, motivierend und politisch sexy wie jeder andere waschechte Schwabe... ja, genau.

Die perspektivlose Langeweile, die bei Bütikhofer den Charme eines sedierten Kindergeburtstages in schlecht sitzenden, verschwitzten Herrenanzügen hatte, wird mit Özdemir mutieren zum hochglanzpolierten, schmerzfreien Wellnes-TV mit Online-Bestell-Option. Nichts wird sich ändern. Aber alles wird etwas hübscher und noch ein bisschen bequemer. Was will man mehr? Ein bisschen Nervenkitzel? Dafür bleibt wohl auch in Zukunft Claudia Roth zuständig, das abgelaufene Krawall-M&M grüner Politik. Good night and good luck!


Sonntag, 9. November 2008

I got punked by an austrian right conservative!

http://www.kultur-cottbus.de/blicklicht/200603/1933stamei1140550880.jpg

Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf: Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken
-
auch die Spekulantenbrut zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat, die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja - nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen
-
ist halt Umverteilung pur, stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"

*Dank an meine Freundin Christina für den Hinweis!

Sorry Christina, aber wie man dem Kommentar meines bleeper.de-Konntaktes steffino entnehmen kann, wurde der Text tatsächlich von dem 69 Jahre alten Wiener Richard Kerschhofer verfasst. "Nähe zum rechten politischen Lager"... peinlich, dass auch mit mir, wie mit vielen anderen, der memetische Pawlow durchging... Andererseits beweist sich hier wieder eine meiner Grundthesen, dass jeder linke Extremismus immer extrem rechts ankommt und umgekehrt, s. Horst Mahler.



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Samstag, 8. November 2008

Weltfinanzkrise 1929 - 2008, Ein Gedicht!



Wenn die Börsenkurse fallen,
regt sich Kummer fast bei allen,
aber manche blühen auf:
Ihr Rezept heißt Leerverkauf.

Keck verhökern diese Knaben
Dinge, die sie gar nicht haben,
treten selbst den Absturz los,
den sie brauchen - echt famos!

Leichter noch bei solchen Taten
tun sie sich mit Derivaten:
Wenn Papier den Wert frisiert,
wird die Wirkung potenziert.

Wenn in Folge Banken krachen,
haben Sparer nichts zu lachen,
und die Hypothek aufs Haus
heißt, Bewohner müssen raus.

Trifft's hingegen große Banken,
kommt die ganze Welt ins Wanken -
auch die Spekulantenbrut
zittert jetzt um Hab und Gut!

Soll man das System gefährden?
Da muß eingeschritten werden:
Der Gewinn, der bleibt privat,
die Verluste kauft der Staat.

Dazu braucht der Staat Kredite,
und das bringt erneut Profite,
hat man doch in jenem Land
die Regierung in der Hand.

Für die Zechen dieser Frechen
hat der Kleine Mann zu blechen
und - das ist das Feine ja -
nicht nur in Amerika!

Und wenn Kurse wieder steigen,
fängt von vorne an der Reigen -
ist halt Umverteilung pur,
stets in eine Richtung nur.

Aber sollten sich die Massen
das mal nimmer bieten lassen,
ist der Ausweg längst bedacht:
Dann wird bisschen Krieg gemacht.

Kurt Tucholsky, 1930, veröffentlicht in "Die Weltbühne"


*Dank an meine Freundin Christina für den Hinweis!

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Sonntag, 2. November 2008

Henryk M. Broder: Die Toleranz der Lämmer

Muslimisches Ritual des Schächtens: Toleranz gebietet es, auch extreme Ansichten hinzunehmen

Unsympathische Menschen sprechen oft unangenehme Wahrheiten aus. Wahrheiten, die umso ungangenehmer werden, je unsympathischer der Mensch ist, der sie verkündet.

Henryk M. Broder ist ein sehr unsympathischer Mensch. Zunächst ist er deutscher Jude und damit jedem Berufungs-Gutmenschen der deutschen Meinungselite reflexartig suspekt. Wir moralisch Reinen haben unser Erbe des Holocaust rückstandslos auf den Genarationen der Eltern und Großeltern endgelagert. Wir haben uns von der Realität des Juden als Opfer deutscher Kultur befreit und ihn statt dessen zur Beddrohung für unsere reibungslose Versorgung mit Palästinensertüchern abstrahiert.

Das deutsche Kultur- und Zivilisationspräkariat stößt Broder umso mehr als Intelektueller ab. Er ist ungläubig, unromantisch, liberal, rational, eindeutig und konsensunwillig, kurz ganz und gar undeutsch.

Sein Glück, dass wir ihn mit all seiner interlektuellen Arroganz, doch so gnädig tolerieren.

Wir Guten.

Nun wagt sich dieser unverschämte Kerl, gerade diese unsere ach so erhabene Gnade madig zu schreiben. Er beschuldigt uns, durch die bedingungslose, ja selbstverachtende Toleranz gegenüber auch noch der intolerantesten Kultur, letztlich die Schächtung unserer europäischen Zivilisation in Kauf zu nehmen und zu befördern.

Undank ist des Deutschen Lohn.

Unser Glück, dass auch die unbequemste Wahrheit sich umso einfacher ignorieren lässt, je unsympathischer der Mensch ist, der sie verkündet.

Vom braven Pfarrer Jürgen Fliege wäre das viel schwerer zu verdauen. Aber von dem sind harte Wahrheiten ja Gott sei Dank auch nicht zu befürchten.


Die Wachhunde bellen, die Karawane der Lämmer zieht weiter zur Schlachtbank des Schächters.

Ignoranz ist eben doch die edelste Form der Toleranz.


Die Achse des Guten

Kritik der reinen Toleranz