21 September 2007

Walt Mossberg und Linux - Mene mene tekel u-pharsin

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Walt Mossberg schreibt über Linux. Das hat für sich die gleiche Wirkung wie bei Robert Scoble und ist damit so oder so ein Glücksfall. Nach dem Windows Propheten nimmt nun auch der Apple Prophet die Alternative zur Kenntnis.

Walt Mossberg sagt: Linux ist benutzerfreundlicher geworden, aber immer noch nicht freundlich genug, um dem "durchschnittlichen Nutzer" empfohlen werden zu können.

Als bekennender KDE-Evangelist darf jetzt jeder von mir leidenschaftliche Apologien für Linux erwarten.

Ich könnte ins Feld führen, dass Mossberg mit der Wahl von Ubuntu für seinen Test, die derzeit am meisten überschätzte und lückenhafteste Distribution gewählt hat. Ich könnte argumentieren, dass es zum einen konsistentere und kohärentere Distributionen wie openSuSE gibt und das zu jedem der von ihm angesprochenen Probleme eine schnelle Lösung existiert.

Ich könnte bezeugen, dass ich jedem "durchschnittlichen Nutzer" innerhalb von 4 Stunden ein Linux System ohne eines dieser Probleme einrichten kann.

Und mit all diesen Argumenten kann ich nur bestätigen, dass Walt Mossberg recht hat.

Ich bin ein Linux Anwender mit 6 Jahren Erfahrung.
Ein Anwender ohne diese Erfahrung und ohne Hilfe ist mit den genannten Problem hoffnungslos überfordert.

Allein die Tatsache, dass die Wahl der Linux Distribution über die Qualität der Erfahrung des Nutzers entscheidet, ist ein Problem, das mit höchster Priorität gelöst werden muss.

Dass Walt Mossberg überhaupt über Linux schreibt zeigt, dass Linux auf dem richtigen Weg ist. Was er schreibt zeigt, wo Linux noch hin muss.

Walt Mossberg verspricht Linux weiter zu beobachten.

Danke Walt!

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10 September 2007

Social Networking - Leben in der Wolke

Wolken

Interaktive soziale Netzwerke sind der Antrieb der aktuellen Web X.x Entwicklungen. Sie vereinen E-Mail, Kalender, Adressbuch, Fotoalbum und Instant Messanging und erweitern sie um die soziale Dimension. Du bist, wen Du kennst. Das Konzept erschließt sich nicht, bevor man es ausprobiert hat, gerade weil es so simpel und selbstverständlich ist. Aber welchem sozialen Netzwerk sollte man beitreten?

Nun, das ist ein interessantes Lehrstück in Gruppendynamik.

Orkut
Mein Blog erscheint beim Google Service Blogger und deshalb war der erste Kanidat für mein soziales Netzwerk der Google Service Orkut. Ich erwartete Vorteile von der Reichweite Googles und ich erwartete Synergien zwischen den beiden Diensten. Letzteres hat sich bewahrheitet. Orkut lässt sich mit Blogger leicht verknüpfen, ist im Layout gut strukturiert und lässt keine Grundfunktion anderer Netzwerke vermissen. So weit, so nutzlos. Denn bei der Reichweite von Orkut hätte ich mich nicht mehr irren können.

So erfolgreich Google als Suchmaschine ist, so traurig ist das Experiment Orkut gescheitert. Nicht das es nicht genug Mitglieder hätte, doch doch. Aber über 50% davon sind Brasilianer. Und wenn man auf der Suche nach Gleichgesinnten einer Gruppe beitritt, kommt man sich wie auf einer dieser Party-Hotlines vor, wo 1000 Männer auf eine Frau warten.

Beruhigend zu sehen, dass auch unendliche IT-Ressourcen, wie sie Google hat Erfolg ermöglichen, aber nicht garantieren.

Facebook
Bei meinem zweiten Versuch suchte ich vorher den Marktführer und fand ihn in Facebook, dem augenblicklich beliebtesten sozialen Netzwerk. Alle drin, sogar Robert, Leo und Amber sind da. Alles dran, der Funktionsumfang ist schon more than you can eat. Toll, aber genauso nutzlos wie Orkut denn auch hier kenne ich niemand und niemand kennt mich.

Und damit kam die Offenbarung. Auf der Suche nach seinem sozialen Netzwerk führt man nicht an, sondern man folgt seinen Freunden aus dem realen Leben.Um einen persönlichen Wert zu ha, muss Dein virtueller Freundeskreis Deinen realen Freundeskreis abbilden, bevor er ihn virtuell erweitern kann.

StudiVZ
Der Funktionsumfang von StudiVZ ist im direkten Vergleich mit Orkut und Facebook peinlich mickrig.
Aber:
In Orkut habe ich immer noch 0 Kontakte.
In facebook habe ich immer noch 0 Kontakte.
In StudiVZ hatte ich innerhalb der ersten Woche 14 Kontakte, bis jetzt 26. Das bildet fast meinen gesamten Mainzer Freundeskreis ab, zusätzlich einiger Westfalen, die ich im realen Leben seit bis zu 10 Jahren nicht mehr gesehen habe. Beweis erbracht.

Ich habe immer noch mein Konto bei Orkut. Ich habe immer noch mein Konto bei facebook. Aber für 's erste, ist die Wahl meiner Wolke gefallen.

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06 September 2007

Die Passion Apple, Glaube durch Leiden

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Ich schau gerade das hier auf dem VLC Media Player. Der Zauber, als Ungläubiger einem religiösen Sakrament beizuwohnen. Und doch schon der Zweifel, ist es das überhaupt noch? Das Bild von Apple als Glaubensgemeinde in verfemter Diaspora, das WIRED in 1997 schuf und das damals so wahr war, stimmt es noch? Wenn ja, für wen? Nicht mehr für das Unternehmen Apple, soviel ist sicher. Trends werden gesetzt. Marktanteile werden erobert. Geld wird verdient. Trotzdem predigt Sankt Steve seiner Gemeinde immer noch in voller Inbrunst von der Leidenschaft Apples für eine bessere Welt durch das iPhone.

Warum? Er ist reich. Seine Kunden sind dank seiner Produkte hip. Alle könnten zufrieden sein. Trotzdem immer noch und immer wieder das Credo einer gemeinsamen Mission, eines gemeinsamen Evangeliums. Macht er es seinen Schäfchen damit leichter, immer öfter und immer mehr in die Kollekte zu zahlen? Das Vertrauen auf Apple, dass das Produkt erster Generation, das man gerade gekauft hat, in 3 Monaten nicht besser und billiger zu haben ist, braucht Naivität, Dummheit oder eben Glaube. Der Gleichmut, mit dem Apple Kunden immer wieder den Wertverfall ihrer Geräte beobachten und trotzdem demütig lächelnd das Nachfolgemodell kaufen, statt den Hersteller wütend zu lynchen, ist ohne religiöse Überzeugung schwer erklärbar. Wer behaupten kann, seine Rechner seien aus Aluminium und deshalb umweltfreundlich, hat keine Vorstellung von der industriellen Gewinnung von Aluminium oder kann sich des Vertrauens seiner Schäfchen sicher sein.

Jobs weiß das. Er braucht den Nimbus des Sakraments, braucht sein Priesterornat, braucht die Verkündigung um Apple mit seiner Konkurrenz unvergleichbar zu halten, ein profaner Vergleich, dem Apple nicht standhält. Nur wenn Apple weiter Idee bleibt und nicht zum Produkt erniedrigt wird , kann es seine einzigartige Nahrungskette rechtfertigen und erhalten.

Wir Ungläubigen schauen weiter staunend auf die erleuchtete Prozession und warten geduldig auf die preiswerten Abfälle vom Tisch des Herrn.

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Die römisch-katholische Judenfrage, immer noch offen



Ein weiteres Kapitel aus der Reihe "Religion, Schein und Sein". Mir wird immer wider aufs neue bang, wenn ich durch solche Nachrichten an die historische Langlebigkeit der Meme des Hasses erinnert werde. Auch die gelebte Schizophrenie zwischen dem ethischen Anspruch christlichen Glaubens und der Realität des römisch-katholischen Dogmas bleibt ein schmerzhaftes Faszinosum.

Das im Artikel verwendete Foto und die Bezüge auf Osterbräuche in Südwestfalen erinnern mich an "Kelten, Hexen Holocaust: Menschenopfer in Deutschland" von Franz Wegener, meine Empfehlung zum Thema. Wegener macht hier unter anderem klar, dass religiöser Hass in der Kirche nie nur von oben verordnet, sondern immer auch von unten gefordert wurde.

Hass, ein menschliches Bedürfnis.


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