31 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 586, Campingplatz *im* Ziegelei-Park Mildenberg an der Havel

Heute hat uns das gute Wetter wieder eingeholt! Pünktlich ist unsere Tour entlang der Mecklenburgischen Seenplatte auch vollendet. Wir nehmen Erinnerungen an meditative Landschaften, zivilisationäre Niemandsländer, mörderisch schlechte bis überraschend gute Radwege und an Begnungen der faszinierenden bis kauzigen Art mit uns.

Nun sind wir vom Mecklenburgischen Seen-Radwanderweg auf den Fernradwanderweg Berlin - Kopenhagen gewechselt. In unserem ersten Abschnitt dieses Weges liegt die "Tonstichlandschaft Havel".

In den Achtziger Jahre des 19. Jahrhunderts kamen hier vier Faktoren zusammen, die eine der Erfolgsgeschichten der industriellen Revolution in Deutschland begründeten.

Mehr durch Zufall wurden im Tal der Havel große, für den manuellen Tagebau zugängliche Tonvorkommen entdeckt. Die Havel bot sich als direkter Vertriebsweg nach Berlin an. Ein zeitgleich heißer, inländischer Bau-Boom als Symptom der deutschen Gründerzeit, stellte eine ständige Nachfrage nach mehr Ziegeln. jetzt brauchte es nur noch geschäftstüchtige Unternehmer zur richtigen Zeit vor Ort, die es verstanden, aus den gebotenen Chancen schnell viel Geld zu machen.

Innerhalb eines Jahres, war die Natur-Idylle von den Schloten der ersten Ziegeleien gesäumt. Mit bis zu dreißig Ziegeleien entlang der Havel, wurde zeitweise die größte Ziegelstein-Produktion Europas erreicht. Bis in die Sechsziger Jahre des 20. Jahrhunderts wurde weiter produziert.

Jetzt, 120 Jahre nach den ersten Anfängen, zelten Dirk und ich auf einer Wiese, mitten im Ziegeleipark Mildenberg, einer zum Freiluft-Industrie-Museum umfunktionierten, stillgelegten Ziegelei. In unmittelbarer Nähe umgeben uns Ton-Förderanlagen und riesige Ringbrennöfen und wir haben das ganze Gelände praktisch für uns allein. Ich genieße es, Geschichte zu atmen.

Gerade haben wir im Radio erfahren, dass wir rechtzeitig zur IFA 2006 in Berlin sein werden! Ich liebe es, Zukunft zu atmen.
sent with Palm Treo 650

-----Ursprüngliche Nachricht-----

Von: we.ha@gmx.net
Betr.:Radtour 2006, 30. 08. 2006, Kilometer 532, Campingplatz am Gobenowsee
Datum: Do 31. Aug 2006 12:46
Größe: 1K
An: darketeer.wernerhabel@blogger.com

Dieser Eintrag erscheint mit einem Tag Verspätung, weil ich ihn gerade in einem Funkloch schreibe.

Zuerst eine Korrektur meines Eintrages vom 28. 08. 2006: Der CDU-Kandidat für Mecklenburg-Strelitz heisst natürlich richtig Vincent Kokert, nicht Kolkov. Ich hätte meinen Fehler nicht bemerkt, wenn die Union die Plakatierung seines Gesichtes nicht mittlerweile stark forciert hätte. Stark forciert heisst, dass das Bastian Pastewka look-alike Dich jetzt buchstäblich von jeder Straßenecke anlächelt. Gut so, die Union hat begriffen, wie man das kollektive Medien-Bewusstsein an die Wahl-Urne treibt: Dauer-Penetration mit simplen Schlüßelreizen! Und mein Fehler belegt, dass sowohl Namen, als auch Aussagen auf Plakaten schon bei 20 Km/h Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht hängen bleiben.

Wer sich selbst für hart hält und sein Rad für härter, dem mache ich diesen Vorschlag: Radel von Neubrandenburg nach Neustrelitz und versuche dabei, die weit ausholende, offiziell ausegewiesene Radwanderwegsführung mit eigenen Abkürzungen zu überbrücken. Und bitte rufe mich sofort an, solltest Du mitten drin nicht aufgeben. Ich möchte Dein hysterisches Schluchzen hören, wenn Du am Telefon rückwirkend einen Nervenzusammenbruch erleidest. Die zwangsläufig aus dem Versuch der Abkürzung entstehende Strecke setzt für den Begriff "unbefestigter Radweg" neue Maßstäbe und verlangt Dir und Deinem Rad alles ab. Klar mein Trike hat auch diese Etappe der Leiden überlebt, Navigator Dirk hat nun mehrfach seine uneingeschränkte Offroad-Tauglichkeit gelobt. Mein Trike und ich haben uns durch Strecken gebissen, durch die Dirk schieben musste. Trotzdem, so eine Etappe bleibt auch in Stahl-Knochen hängen. Zurück in Mainz, geht es erstmal in die Rad-Intensiv-Station meines Vertrauens, für die große Nachsorge-Untersuchung.

Radtour 2006, 30. 08. 2006, Kilometer 532, Campingplatz am Gobenowsee

Dieser Eintrag erscheint mit einem Tag Verspätung, weil ich ihn gerade in einem Funkloch schreibe.

Zuerst eine Korrektur meines Eintrages vom 28. 08. 2006: Der CDU-Kandidat für Mecklenburg-Strelitz heisst natürlich richtig Vincent Kokert, nicht Kolkov. Ich hätte meinen Fehler nicht bemerkt, wenn die Union die Plakatierung seines Gesichtes nicht mittlerweile stark forciert hätte. Stark forciert heisst, dass das Bastian Pastewka look-alike Dich jetzt buchstäblich von jeder Straßenecke anlächelt. Gut so, die Union hat begriffen, wie man das kollektive Medien-Bewusstsein an die Wahl-Urne treibt: Dauer-Penetration mit simplen Schlüßelreizen! Und mein Fehler belegt, dass sowohl Namen, als auch Aussagen auf Plakaten schon bei 20 Km/h Aufmerksamkeitsspanne einfach nicht hängen bleiben.

Wer sich selbst für hart hält und sein Rad für härter, dem mache ich diesen Vorschlag: Radel von Neubrandenburg nach Neustrelitz und versuche dabei, die weit ausholende, offiziell ausegewiesene Radwanderwegsführung mit eigenen Abkürzungen zu überbrücken. Und bitte rufe mich sofort an, solltest Du mitten drin nicht aufgeben. Ich möchte Dein hysterisches Schluchzen hören, wenn Du am Telefon rückwirkend einen Nervenzusammenbruch erleidest. Die zwangsläufig aus dem Versuch der Abkürzung entstehende Strecke setzt für den Begriff "unbefestigter Radweg" neue Maßstäbe und verlangt Dir und Deinem Rad alles ab. Klar mein Trike hat auch diese Etappe der Leiden überlebt, Navigator Dirk hat nun mehrfach seine uneingeschränkte Offroad-Tauglichkeit gelobt. Mein Trike und ich haben uns durch Strecken gebissen, durch die Dirk schieben musste. Trotzdem, so eine Etappe bleibt auch in Stahl-Knochen hängen. Zurück in Mainz, geht es erstmal in die Rad-Intensiv-Station meines Vertrauens, für die große Nachsorge-Untersuchung.

29 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 486, Campingplatz bei Neubrandenburg am Tollensesee

Die Vorhersagen bestimmen Heute zum Tiefpunkt der bisherigen Schlecht-Wetter-Phase. Im direkten Vergleich zu bisherigen Tagen, an denen wir zeitweise in Regen geduscht wurden, empfand ich es entschieden mild. Die spinnen, die Meteorologen!

Neubrandenburg ist ein architektonisches Kuriosum. Während die Altstadt noch von ihrem vollständig erhaltenen, mittelalterlichen Wall, samt seinen vier Toren eingeschlossen ist, findet man innerhalb dieser Grenze DDR-Plattenbau-Monströsitäten mit siecher Stasi-Ästhetik nahtlos an klassizistischen Representations-Bau des achtzehnten und neunzehnten Jahrhunderts geflanscht. Es wirft die Frage auf, was desaströser in seiner Wirkung war, Bomben der Alliierten, oder Städtebauplanung der SED? Gleichzeitig scheint aber gerade aus diesem mehr gestört als zerstört sein eine Lebendigkeit zu keimen, die Neubrandenburg als erstem Ort auf unserer Tour das Adjektiv "urban" verdient.

Soviel zum Leben. Aber bin ich der einzige der bemerkt, dass eine ganze literarische Gattung dahin siecht?! Ich habe das folgende Phänomen in mehreren Buchandlungen, außerhalb und während unserer Tour beobachtet. Science Fiction stirbt! Zunächst werden die relevanten Titel lieblos mit der weiterhin boomenden Fantasy und der unsäglichen Seuche des Historienromans (Ein Genre, das vor Umberto Eco niemand wahrnahm und nach ihm niemand mehr zur Meisterschaft gebracht hat) in eine gemeinsame Abteilung abgeschoben. Das verbleibende Sortiment ist erschreckend winzig, sowohl alte, als auch neue Klassiker sucht man vergeblich. Isaac Asimov, Stanislav Lem, Philip K. Dick? Nichts. William Gibson, Bruce Sterling, Neil Stephenson? Leere. Wie lange ist das schon so?! Ich stelle fest, dass ich durch die zuverlässige Überfülle von Amazon der Situation einer realen Buchhandlung vollständig entwöhnt bin! Science Fiction nur noch im Cyberspace erhältlich? Welche Ironie! Was sagt es über eine sonst unvermindert lesende Gesellschaft aus, dass sie sich weder über die Utopie, noch über die Dystopie von zukünftigen Möglichkeiten mit der eigenen Gegenwart auseinander setzt, sondern nur noch den eskapistischen Fluchtpunkt sucht, sei es im metaphysischen Zerrspiegel der Fantasy, oder im aller Konsequenz entrückten Guckkasten des Historienromans? Ich bin alarmiert.

28 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 436, Pension Erbkrug in Blankensee

Zunächst Dank an meine Leser Marion und Mario, für ihre motivierenden Kommentare! Marion muss sich keine Sorgen machen; weder Regen, noch politische Geisterbahn können mir noch Angstschweiß auf die Stirn treiben. Mario weiss offensichtlich immer noch, wie man mich am besten motiviert. Kratz mich! Beiss mich! Gib mir Tiernamen! Hoffentlich kann ich Dich und Franz bald in unserer neuen Wohnung begrüßen und wir machen noch eine gemeinsame Tour über die Weinberge.

Auf Marios Ratschlag für meine berufliche Karriere antworte ich mit dem großen Kleinen Randy Newman:
" It 's money that matters,
You know that it 's true,
It 's money that matters,
Whatever you do!"

Dirk hat meinen Begriff vom Zelten als Konsequenz eines ökonomischen Zwanges relativiert. Für ihn ist es der bewusste Entzug von alltäglicher Bequemlichkeit, als Rückbesinnung auf ihren Luxus. Kulturelles Heilfasten. Meine Frage: Wo endet das Fasten und wo beginnt die Selbstkasteiung?

Heute ist mir ein weiteres Argument gegen computergesteuerte Hamster-Laufräder im trauten Heim und für lebendiges Radfahren in freier Wildbahn aufgefallen: Menschen! Heute morgen trafen wir zwei Radler aus der französischen Schweiz, die zum Kajak-Fahren in Mecklenburg-Vorpommern sind. Sie staunten nicht schlecht über unser Konzept der großen Rad-Reise und stolz stellte ich ihnen meine, im vorderen Kettenblatt verkapselte Speed-drive Schaltung vor (schweizer Wertarbeit!). Heute abend lernten wir einen siebzig! Jahre jungen Herrn kennen, der in den letzten sechs Jahren 22000 Kilometer!!! innerhalb von Deutschland erwandert!!! hat. Vor seinem Ziel, den Erdumfang zu schaffen, drohten ihm seine Ärzte jetzt mit dem künstlichen Hüftgelenk. Er ist nicht stehen geblieben, Er ist umgestiegen. Auf ein... Liegedreirad!!! Soviel zu Vorbildern und Menschen, die mir Hoffnung geben. Solche Begegnungen hast Du nicht daheim, auf Deinem Ergometer! Entdecke die Welt und Du entdeckst Dich selbst!

27 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 387, Campingplatz Wesenberg am weissen See

Schauer, Sonne, Schauer, Sonne, ... vervollständige die voran gegangene Reihung sinnvoll und Du hast den heutigen Wetterbericht für unsere Strecke von Boek an der Müritz, über Mirrow bis nach Wesenberg am weißen See. Kombiniere das mit einer labyrinthartigen Radwegführung und Du hast eine Ahnung, warum unsere Nerven heute blanker lagen als sonst. Trotzdem haben wir es auch heute wieder geschafft, den Tag gemeinsam im selben Zelt zu beenden. Trotzdem werden wir morgen wieder gemeinsam neuen Herausforderungen entgegen radeln.

Neue Plakate und immer noch das alte Elend: Vincent Kolkov ist der CDU-Kanditat für Mecklenburg-Strelitz. Er lächelt von seinem Plakat, als sei er der jüngere Bruder von Bastian Pastewska. Hinter seinem Lächeln, ein sonnengoldenes Kornfeld mit dekorativem Minderjährigem in blauer Latzhose und mit gelbem Strohhut. Wer wirbt hier für sich? Ein bündnisgrüner Realo? Brandt Zwieback? Caro, das Kaffe-Surrogat Extrakt? Bevor der Wähler sich darüber klar ist, hat er den Namen des Gesichtes bereits vergessen, geschweige irgend eine Aussage.

Werner, Du bist wieder so negativ, gehst gar nicht auf die politischen Aussagen ein. Stimmt, lieber Leser. Weil es keine Aussagen gibt. Es gibt nur austauschbare Gesichter, die nur parteilich zuordnen kann, wer mit dem grundsätzlichen Farben-Layout der Parteien vertraut ist. Was von einem Wahlplakat aus der Perspektive des Fahrers eines PKW bei 50 KM/H nicht im Kopf hängen bleibt, hat in der Wahl-Kabine verloren. Daran gemessen macht hier mal wieder nur eine Partei guten, inhaltlichen Plakat-Wahlkampf: Die NPD. Da geht es in klaren Schlagworten um mehr Ausbildung und Arbeit, um den Erhalt ländlicher Schulen. nicht originell. Nicht fundiert. Aber dafür in BILD-Großbuchstaben. Die Ironie: Mit diesen "Themen statt Köpfe" Plakaten erfüllt die NPD einen Anspruch, den ausgerechnet Bündnis 90/Die Grünen lange an sich selbst stellten und erst Ende der Neunziger widerwillig aufgaben, weil er ihnen keine Stimmen-Gewinne brachte. Hoffentlich bringt "Themen statt Köpfe" der NPD genauso viel.

26 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 331, Campingplatz Boek an der Mueritz

"Here comes the sun,
dubn dudu,
Here comes the sun,
And I'd say,
It 's alright!"

Von Röbel (Röbel, lieber Ron, Röbel), über Waren bis hier nach Boek an der Müritz, Sonne satt, die gerade am Horizont des Sees untergeht.

Was gibt es über Waren an der Müritz zu sagen? Endlich mal eine Stadt auf unserer Tour, die in Sachen Radwegeführung sehr viel richtig macht. Aber das ist nicht mein Höhepunkt in Waren. Wenn Du in die Mozartstraße fährst, fällt ein verwarloster 50'er-Jahre Bau mit schlapp aus dem Fenster baumelnder Deutschland-Flagge auf. Als nächstes fallen die stahlverkleideten Fenster auf. Und dann die Schrift über diesen Fenstern: "Zutts Patrioten-Treff, Schutz vor linker Gewalt".

Ach.

Nun bin ich selbst ein durchaus gewaltbereiter, linker Patriot. Als solcher, leuchtet mir das Konzept, hilflose, rechte Patrioten in solchen Reservaten zu konzentrieren, um sie dort vor Monstern wie mir zu schützen, durchaus als logisch ein. Aber warum verbringt man diese bedauernswerten, rechten Opfer ausgerechnet nach Waren an der Müritz, wo ich ihnen offensichtlich immer noch problemlos gefährlich werden kann? Warum emmigriert man nicht die gesammte Gruppe diskriminierter, rechter Patrioten an einen wirklich vor mir sicheren Ort? Zum Beispiel Madagaskar. Ich bin über diese Frage so irritiert, dass ich ganz vergaß, ihnen Gewalt anzutun.

Heute hatte mein Trike seine erste Reifen-Panne. Da ich den besten Fahrrad-Pannendienst der Welt zum Manne habe, war es keine Katastrophe, sondern ein archaischer Initiationsritus binnen fünfzehn Minuten. Die erste im Kampf erworbene Narbe.

Kaputte Gepäckaufhängung, Reifenpanne; Werner, warum machst Du dir den Stress?
Weil es keinen gleichwertigen Ersatz gibt. Klar, auch ich könnte mir ein computergestütztes Hamster-Laufrad ins Eigenheim stellen. Es böte mir eine stufenlos regulierbare Steigungs-Simulation und eine virtuelle Panorama-Tapete in einer Endlos-Schleife.
Hätte ich den Rausch des Fahrtwindes? Nein.
Hätte ich den Triumpf am Gipfel einer harten Steigung? Nein.
Hätte ich den Reiz einer ständig neue Herauforderungen stellenden Strecke? Nein.
Aber gerade das macht das Radfahren in freier Wildbahn erlebenswert. Die Simulation erreicht die Realität noch nicht. Davor stehen noch große Fortschritte in künstlicher Intelligenz und virtueller Realität. Solange ist der Stress der gute Preis für ein nicht synthetisierbares Erlebnis.

Das Zelten an sich, ist dagegen reiner ökonomischer Zwang. So gerne ich mich am Tag über meine Grenzen hinweg radle, so gern würde ich abends vom Rad ins Bett fallen, ohne dass letzteres vorher immer erst noch aufgebaut werden muss.

"But everybody pays to play"

25 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 266, Campingplatz R�bel an der M�ritz, zweiter Tag

Regenjacke aus, Regenjacke an. Als wir heute morgen aus unserem Zelt schauten, flüsterte uns der Regen: Zeit für eine Auszeit!
Auch gut. Vier wohlig warme Stunden im hiesigen Thermalbad verbracht und bei der Gelegenheit mit "Mona Lisa Overdrive" endlich die "Neuromancer"-Trilogie von William Gibson vollendet. Gröstmögliches Kopfkino! Herzlichen Dank an Heike für ihr schönes Geburtstagsgeschenk! Aber jetzt stehe ich für den Rest der Tour ohne Lesestoff da, während Dirk noch genüßlich an den gehaltvollen "Säulen der Erde" von Ken Follett knuspert. Eine beängstigende Perspektive, im Spannungsfeld zwischen chronischem ADD und der Stimulanzarmut der Ostzone. Egal. Spätestens morgen geht es weiter und spätestens dann zählen für ein paar Stunden wieder nur die Maschine und ich gegen die Strecke.

24 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 266, Campingplatz R�bel an der M�

Ostzonen-Suppenwürfel machen Krebs! Alte BILD-Schlagzeile. Aktueller denn je. Ostzonen-Buckelpisten töten Lowrider! Merke: Deine Aluminium Gepäckaufhängung geht nur so oft ins Schlagloch bis sie bricht. Und was im wilden Osten als Radwanderweg durchgeht, fällt anderswo unter das Verbot gegen Landminen. Eine Minute des Gedenkens für meinen armen Lowrider.

Er hat sich tapfer geschlagen, denn ansonsten haben Mensch und Maschine heute ihre ultimative Offroad Prüfung mit Bravour bestanden. Mein neues Trike ist jeden Cent wert. Heute bin mit ihm über Steigungen und durch Gelände gekommen, an denen ich mit meinem alten Trike sicher gescheitert wäre. Die Kürze der heutigen Strecke steht in keinem Verhältnis zu ihrer physischen Härte. Aber mein Trike und ich waren härter. Und heute wurde die Regenhose zum ersten Mal gegen Bermudas und Sandalen getauscht. Du verlierst, Du gewinnst.

23 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 228, Campingplatz Plau am See

Mit Plau am See haben wir nun auch die mecklenburgische Seenplatte erreicht und damit unser erstes Etappenziel.

Biographische Nostalgie: Vor über zwanzig Jahren war ich schon mal hier. Als junger DKP-Pionier mit rotem Halstuch in einem hiesigen Ferienlager der FDJ. Ich habe überlebt. Plau auch. Unsere damalige Weltanschauung nicht.

Dirk reklamiert, dass es meinem Reisetagebuch bis jetzt an landschaftlichen und architektonischen Eindrücken fehlt. Stimmt. Also Architektur: Schloß Ludwigslust war bei aller Grandezza vor allem von siechem, sentimentalem Charme. Ansonsten wirkt der Osten immer noch entweder für das Touristen schön gespritzt oder verlassen. Und die Landschaft? Eine Friedhofs-Idylle in Grass-Grün, Torf-Braun und Heu-Gelb. Bei Bedarf streng duftend und mit immer genug Fleischbeilage im Fahrtwind. Na ja, Hauptsache trocken. Ja, richtig geraten; ich bin kein Öko. Und jetzt werde ich noch ein in Lübz gekauftes Lübzer Pils auf Oliver Lochs Wohl trinken! Er hat 's empfohlen. Ach ja, ein letztes noch an die Stadtplaner von Plau am See: Euer neo-pittoreskes Kopfsteinpflaster erstickt jeden Anflug von Rad-Tourismus im Keim. Danke!

22 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 164, Campingplatz Garwitz

Rabenmutter Natur gehört wohl zu der Art heidnischer Gottheiten, die Beschimpfungen als Bittgebete akzeptieren. Einen Tag nach meiner Beschwerde herrschten heute Trockenheit und Sonnenschein. Nur die Wettervorhersage erinnert mich, dass ich es immer noch mit einer launischen Göttin zu tun habe. Düster bleibt der Blick in die politische Plakatlandschaft. Der lokale Kandidat der Union ist inzwischen Carina Stopfsack-Schulze (Typ Kreuzung zwischen Quelle Modell und Avon Beraterin), sie hat nicht mal Landrat gelernt und auch sonst keine Aussage. Sie steht für nichts, außer mit ihrem Namen für die schleichende Sozialdemokratisierung der CDU. Die Sozen rufen derweil weiter so; Grüne und FDP denken sich gleichermaßen "Dabei sein ist alles" und alle zusammen gehen sie in NPD-Plakaten unter. Wir radeln hier durch eine der gern geleugneten "no go areas" innerhalb derer mediterrane Europäer nur geduldet werden, wenn sie arbeitslosen Ariern Lamacun, Gyros oder Pizza verkaufen. Das Straßenbild ist ebenso trostlos dumpf wie reinlich deutsch. Und als offene Schwule haben auch wir nicht mit mehr Toleranz zu rechnen, selbst wenn wir uns die Glatzen bis unter die Schädeldecke rasieren. Schnell weiter fahren...

21 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 100,15, Campingplatz Neu G�hren

In Mecklenburg-Vorpommern ist bald Landtagswahl. Wer hätte das Gedacht. Ich nicht. Die CDU bewirbt ihren lokalen Spitzenkandidaten (Typ "Napoleon" aus Orwell 's "Animal Farm") allen Ernstes mit dem Slogan "Der gelernte Landrat". Was für eine Vertrauen erweckende Kompetenz! Und was haben Sie gelernt? Landrat. Großartig! Landräte werden ja immer gebraucht. Sie wähl ich! Denk ich an Deutschland in der Nacht...

Aber es gibt Hoffnung! Der unvergessene Dave Edmunds ("Information", "Slippin away", "Hang on to the night") ist in Dömitz aufgetreten! Gestern! Oder vor 20 Jahren? Wer weiß...

Ansonsten: REGEN. Der fiese, intelligente Regen, der just in dem Moment aufhört, in dem Du deine Regenjacke angezogen hast. Wir kommen auch dieses Jahr nicht trocken durch Ostdeutschland. Ist okay Natur, Werner Habel hat Dich verstanden. Und ich kann Dich ebenso wenig austehen.

20 August 2006

Radtour 2006, Kilometer 40, 05, Campingplatz Alt Garge

Es ist wieder soweit! Für die Zeit von Dirks und meiner gemeinsamen Rad-Tour wird mein Blog zum Reisetagebuch.

Gemäß Seiner Überzeugung, dass nur ein sich bwegender Körper gesund sein kann, hat mein geliebter Vorradler Dirk eine neue Tour, diesmal an die mecklenburgische Seenplatte ersonnen und perfekt vorbereitet. Endlich kann auch mein neues Trike beweisen, was es aushält. Bis auf meine üblichen Nervenzusammenbrüche läuft alles stabil. Mensch und Maschienen sind wohl auf. Das Wetter hat sich nach kurzen Schauern erstmal gefangen. Stolz liegen wir am vierzigsten Radkilometer nach Lüneburg.

Radtour 2006, Kilometer 40, 05, Campingplatz Alt Garge

Es ist wieder soweit! Für die Zeit von Dirks und meiner gemeinsamen Rad-Tour wird mein Blog zum Reisetagebuch.

Gemäß Seiner Überzeugung, dass nur ein sich bwegender Körper gesund sein kann, hat mein geliebter Vorradler Dirk eine neue Tour, diesmal an die mecklenburgische Seenplatte ersonnen und perfekt vorbereitet. Endlich kann auch mein neues Trike beweisen, was es aushält. Bis auf meine üblichen Nervenzusammenbrüche läuft alles stabil. Mensch und Maschienen sind wohl auf. Das Wetter hat sich nach kurzen Schauern erstmal gefangen. Stolz liegen wir am vierzigsten Radkilometer nach Lüneburg.